Da viele Essays den Fokus auf den gestalterischen Gebrauch der Georgia legen, geht dieser auf die typografischen Eigenschaften ein, klassifiziert und portraitiert die Schrift mit dem Ziel einen Einblick in die gestalterischen Grundbegriffe der Typografie zu ermöglichen.
Microsoft als Auftraggeber
1996 rief Microsoft die Unternehmung “TrueType Core Fonts for the Web” ins Leben. Hervor geht eine freie Schriftensammlung für den Einsatz im Word Wide Web. Standartmäßig sind die Corefonts im Betriebssystem von Microsoft und Mac mitgeliefert. Bis heute sind sie weit verbreitet und gelten als die Standartschriften im Web.
Matthew Carter – Schriftgestalter und Entwickler der Georgia
Matthew Carter wurde am 1. Oktober 1937 in London geboren. Nachdem Carter schon in seiner Jugend reichliche Erfahrungen mit Schriftgestaltung sammelte, arbeitete er für verschiedene Linotype-Gesellschaften in USA und Europa.
Einige der Schriftentwicklungen Carters
Carter ist 1981 Mitbegründer der Schriftenfirma „Bitstream Inc.“, und seit 1991 betreibt er mit Cherrie Cone die „Carter & Cone Type Inc“ in Cambridge.
Matthew Carter gilt neben Adrian Frutiger, Hermann Zapf und Erik Spiekermann als einer der Pioniere der Computerschriftgestaltung.
Die Georgia in freier Wildbahn.
Folgende Beispiele zeigen die Georgia in ihrer Praxistauglichkeit.
“Zeit.de” verwendet die Georgia im Fließtext. In den Headlines verwendet die Onlinezeitung eine serifenlose Schrift. Das Ministerium des Innern hat sich ebenfalls für die Georgia auf der Internetpräsents entschieden, verwendet die Georgia allerdings umgekehrt, also in den Headlines und in den Überschriften. Bei der New York Times wie auch bei Claroweb.de findet die Georgia in Überschriften und Fließtext Verwendung.
Die Georgia hat einen freundlich warmen, ausgeglichenen und seriösen Charakter. Sie ist für den Bildschrim konzepiert, macht aber auch im Druck eine hervorragende Figur. Ihre Mädiävalenzziffern, also solche Ziffern die eine Ober- und Unterlänge besitzen (siehe Grundbegriffe der Schriftgestaltung weiter unten im Artikel), sorgen für ein harmonisches Gesammtbild. Die Georgia kann sowohl in Überschriften als auch im Fließtext verwendet werden.
Schriftklassifizierung der Georgia
Wie macht man es bei der Vielfalt an existierenden Schriften möglich, einzelne zu identifizieren? Man ordnet Schriften in so genannte Schriftklassen. Dies geschieht nicht willkürlich sondern nach nach DIN 16518 bzw. nach spezifischen epochalen Merkmalen. Auf diese Weise schafft man sich ein “Kategoriensystem” mit dessen Hilfe man einzelne Schriftfamilien leicher unterscheiden kann.
Schriftklassen nach DIN 16518
- Venezianische Renaissance Antiqua
- Französische Renaissance Antiqua
- Barock Antiqua
- Klassizistische Antiqua
- Serifenbetonte Linear Antiqua
- Serifenlose Linear Antiqua
- Antiqua Varianten
- Schreibschriften
- Handschriftliche Antiqua
- gebrochene Schriften
- fremde Schriften
Welcher Klasse gehört nun die Georgia an und was sind ihre besonderen Merkmale?
Die Gorgia gehört der “Barock Antiqua” an, welche, geprägt durch den Kupferstich, auf das 15. Jahrhundert, die Zeit des Barocks, zurück geht.
Klassifizierungsmerkmale der Georgia
- Horizontalen Achsen ohne Kehlung
- Anstriche der Gemeinen sind etwas keilförmig, tendieren aber zum horizontalen
- Vertikale Schriftachse bei runder Form
- Mittellänge ist deutlich länger als die Oberlänge
- Abstriche sind stark tropfenförmig
- Übergänge der Serifen sind symetrisch nur leicht ausgerundet
- Der Unterscheid zwischen Haarstrich und Grundstrich ist stark ausgeprägt
- Die Georgia hat ein sehr präzises Schriftbild
Ich hoffe einen Einblick in die Schriftgestaltung und ihren Kategorien ermöglicht zu haben. Über Resonanz freue ich mich.
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